Letzten Sonntag, am 13. März 2016, bin ich zum Largo Estefania hinunter geschlendert, an der Rua da Cidade da Horta vorbei, wo uns vor ein paar Jahren ein kleines Erdbeben begegnet war. An der Cervejaria Portugalia bin ich nach links abgebogen, habe die Praça do Chile überquert, bis ich endlich an der Avenida Afonso Henriques ankam. Hoch oben, an der Rua Barão de Sabrosa steht die Casa Azul, ein Hochhaus, das einstmals gut umgittert vor den Attentätern, die DDR-Botschaft beherbergte.

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Von hier aus konnte man sozusagen die ganze iberische Halbinsel mit sozialistischen Blicken erfassen. Der Botschafter war ein kleiner, nicht mehr ganz junger Diplomat, den ich mir gut in Diensten des Kaisers vorstellen konnte. Er sorgte dafür, dass unsere große Tochter  noch vor Ablauf der üblichen Frist die Sommerferien 1977 in Portugal verbringen durfte.Wir waren also recht unabhängig, da wir in einer portugiesichen Gesellschaft tätig waren. Dennoch war die Casa Azul natürlich unser staatlicher Vorgesetzter. Die Kulturrätin, verbot uns zum Beispiel, an der Manifestation zum ersten Mai teilzunehmen. Das haben wir gar nicht verstanden und sind doch dabei gewesen. Es herrschte eine fantastische nachrevolutionäre Stimmung, die uns begeisterte. Kein Vergleich mit den sterotypen verordneten Maiaufmärschen zu Hause. Der nächste Botschafter, den ich noch kennenlernte bezeichnete sich selbst gern als Diplomaten preußischer Schule. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

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